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Was hat sich seit 2006 im Senegal verändert?

Bevor wir den Blick nach vorne zu unseren aktuellen Projekten richten, möchten wir euch die positiven und negativen Entwicklungen im Senegal aufzeigen, die wir in den letzten Jahren wahrnehmen. Hierbei kommen nicht nur unsere subjektiven Eindrücke zu tragen, sondern besonders Erzählungen der Senegalesen vor Ort. Unsere Erfahrungen sind natürlich geografisch begrenzt. Wir sind aber überzeugt, dass wir durch den Radius von ca. 80 km in dem unsere Projekte stattfinden, sagen können, dass dieses ein gutes Spiegelbild für die Situation der senegalesischen Landbevölkerung darstellt.

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Tourismus

Als wir im Jahr 2006 den Senegal das erste Mal bereisten, gab es an der Atlantikküste bei Nianing (ca. 80km südlich von Dakar), in der unsere Projektarbeit begann, einen weitgehend gut funktionierenden Tourismus. Neben zwei sehr großen Hotelanlagen gab es viele kleinere Hotels, die allesamt gut besucht waren und sowohl für die Hotelangestellten, als auch für die Händler der Region eine sehr wichtige Existenzgrundlage bedeuteten. Eine der beiden Hotelanlagen für mehr als 600 Gäste war der Club Aldiana, was übersetzt aus dem senegalesischen heißt „Der Ort an dem die Glücklichen leben“. Es war die erste Clubanlage überhaupt von Aldiana, die 1973 in Nianing eröffnet wurde. Leider zählten die Einheimischen nicht zu den „Glücklichen“ als 2007 Aldiana genau diesen Club schloss. Damit fielen mehrere 1000 Arbeitsplätze weg und brachten sehr viele Menschen in existentielle Nöte. Die zweite große Hotelanlage Domaine de Nianing stellte den Betrieb im März 2015 ein und ebenso mehrere kleine Hotels, die heute nur noch als Ruinen existieren. Ohne Tourismus sind die Folgen für die Region und der davon abhängendende Bevölkerung gravierend. Wurden wir in den ersten Jahren immer wieder von Händlern, aber auch Bettlern angesprochen, so fiel dieses bei unserem diesjährigen Besuch vollkommen aus. Ein zwar angenehmer Effekt als Reisender nicht ständig belästigt zu werden, gleichzeitig aber das traurige Ergebnis dessen, dass die Senegalesen die wenigen Touristen nicht mehr als ausreichende Einnahmequelle antreffen können. Sie müssen sich aus diesem Grund anderweitig orientieren um das tägliche Leben zu finanzieren.

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Wie wir aus Gesprächen mit Senegalesen erfuhren, ist ein Grund für den derzeit ausbleibenden Tourismus der weltweite Terrorismus durch radikale Islamisten, der selbst in einem religiös absolut gemäßigten Senegal somit seine Spuren hinterlässt. „Viele Europäer scheinen wegen des Islams Angst zu haben in den Senegal zu reisen. Dabei feiere ich als Christ den Ramadan und die Moslems feiern auch Ostern und Weihnachten mit uns. Bei uns leben Christen und Moslems friedlich miteinander, nicht nebeneinander.“, erzählt uns unser katholischer Mitarbeiter Jean-Paul. Die aktuell wenig anzutreffenden Europäer in den Dörfern und am Strand, sowie die wirklich große Anzahl zum Verkauf stehender Ferienhäuser bestätigen Jean-Pauls Äußerung.

Es gab in den Jahren zuvor aber noch weitere Faktoren, die zu einer reduzierten Besucherzahl im Senegal führten: 2009 die Wirtschaftskrise und 2014 die Ebola-Epidemie in einigen angrenzenden Ländern. Weiterhin darf man nicht vergessen, dass der Senegal ganzjährig mit der gefährlichen Malaria Tropica zu kämpfen hat, die vermutlich viele Touristen zusätzlich abhält, dieses Land zu bereisen.

Es gibt jedoch einen Lichtblick! Zumindest der ehemalige Club Aldiana soll unter der Flagge von Club Med Anfang 2017 neu eröffnet werden. Über Jahre schwelten schon diese Gerüchte. Letztes Jahr dann gab es endlich offizielle Ankündigungen, auch seitens des senegalesischen Tourismusministeriums, dass Club Med als neuer Eigentümer den Betrieb wieder aufnimmt. Es wäre ein großes Glück für die einheimischen Senegalesen.

Landwirtschaft und Fischerei

Durch den Arbeitsmangel im Tourismusbereich sind viele Senegalesen gezwungen, zu ihren Familien zurück zu kehren um in der Landwirtschaft oder Fischerei für ihr tägliches Überleben zu sorgen.

Die kleinbäuerliche Landwirtschaft sichert in vielen Fällen die eigene Existenz. Die Familien können sich so mit dem Nötigsten versorgen. Allerdings, ohne Wasser keine Landwirtschaft! Hier spielen unsere Brunnen eine sehr wichtige Rolle, damit die Menschen in manchen Regionen überhaupt Landwirtschaft betreiben können.

Neben dem gespendeten Brunnen von Dietmar Fehring in Ngohé Ndoffongor ist ein ertragreiches Feld entstanden

Neben dem gespendeten Brunnen von Dietmar Fehring in Ngohé Ndoffongor ist ein ertragreiches Feld entstanden

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Wir hatten bei unserem letzten Besuch im April darüber nachgedacht, neben unseren Brunnenprojekten eventuell eine Art „boat-sharing“ auf den Weg zu bringen, bei dem sich ein oder mehrere Fischer sich das Boot von unserem Verein leihen könnten (gegen eine Gebühr oder Abgabe eines Teils des Fischfangs zu Gunsten anderer). Jedoch mussten wir feststellen, dass die Kosten für eine mittlere Piroge + Motor bei fast € 3000 liegen. Da unsere Brunnen im Durchschnitt etwa € 1000 kosten, werden wir mehr Menschen durch unsere Brunnen helfen können, als durch die Bereitstellung eines Bootes.

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Hinzu kommt eine Problematik des Fischfangs. Vor 2012 hatte die damalige senegalesische Regierung Fischfanglizenzen an diverse Länder ausgegeben, die mit riesigen Supertrawlern die Fischbestände vor der senegalesischen Küste derartig dezimierten, dass kleine Fischer mit nahezu leeren Netzen nach Hause kamen. In Zusammenarbeit mit Greenpeace hatte der neue Präsident Macky Sall im April 2012 sämtliche Lizenzen aufgekündigt. Leider erholen sich die Fischbestände und auch die so wichtigen Muschelbestände nur sehr langsam.

Bildung

Seit dem Beginn unserer Projektarbeit sehen wir mehr Schulen entstehen, wozu wir ja selbst einen Beitrag leisten. Bildung gilt als das Sprungbrett aus der Armut. Wir stellen aber fest, dass ohne die Unterstützung vieler europäischer Hilfsvereine, allen voran aus Belgien, der Schweiz, Deutschland und Frankreich das Bildungssystem nicht wirklich gut funktionieren würde. Der Staat kommt mit dem Bau von Schulgebäuden nicht hinterher, ebenso fehlt es in den staatlichen Schulen an vielen Materialien. Wie wir schon mehrfach berichteten, müssen sich zwei Kinder oft ein Buch teilen, was u.a. bei der Erledigung von Hausaufgaben zu erheblichen Komplikationen führt. Nicht selten werden in einem Gebäude, sofern es dieses anstelle einer Strohhütte denn überhaupt gibt, zwei Klassen mit Schülern unterschiedlichen Alters unterrichtet, links z.B. die jüngeren Schüler , die gerade eine Schreibarbeit verrichten, während die rechts sitzenden älteren Schüler dem Lehrer an der Tafel folgen.

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Die Schule in Rôff erhält dahingehend von unserem Verein seit Jahren die nötige Unterstützung um derartige Missstände zu vermeiden.

Etwa 34 % der Männer und 60 % der Frauen im Senegal konnten 2011 nicht oder nicht richtig lesen und schreiben (Quelle Wikipedia). Andere Quellen sprechen von durchschnittlich 58%, womit der Senegal eine der höchsten Analphabeten-Raten weltweit hat.

Medizinische Versorgung

Ähnlich wie bei der Bildung ist auch die medizinische Grundversorgung (besonders in der Savanne) von der Unterstützung vieler Hilfsvereine abhängig. Unsere Sanitätsstation in Rôff ist hierfür das beste Beispiel. Spätestens, wenn sich einmal wieder der Medikamentenvorrat dem Ende neigt, sehen wir, dass ohne unsere Hilfe die Menschen sich selbst überlassen wären. Medikamente können die Savannenbewohner aus Geldmangel nicht bezahlen. Es ist für uns ein Riesenerfolg zu sehen, dass in unserer Krankenstation die Menschen eine medizinische Grundversorgung bekommen können. Besonders schön ist natürlich, dass Kinder in unserer Sanitätsstation das Licht der Welt erblicken.

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Monique Séne leitet die Krankenstation in Rôff

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Einwohnerstatistik von Rôff

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Für schwierigere medizinische Untersuchungen und erforderliche Operationen, die nicht in Rôff durchgeführt werden können, stehen Jean Paul und Demba den Patienten helfend zur Seite, diese im nächsten Krankenhaus vornehmen zu lassen.

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Verkehr

Es gibt sichtbare Resultate im Ausbau von Straßen. Auch das von uns unterstützte Dorf Rôff profitiert hiervon. Unmittelbar neben unserer Sanitätsstation und Schule führt nun eine Straße entlang. Zuvor gab es dort nur eine Sandpiste. Nun wurde zumindest eine Straße aus roter fester Erde (Laterit) gebaut, die ein schnelleres Vorankommen gewährleistet. Die Fortbewegungsmittel gerade in der Savanne bleiben allerdings altertümlich. Die Kutsche ist das unverzichtbare und verbreitetste Verkehrsmittel. Dabei reden wir nicht von einer Kutsche wie wir sie kennen. Die CALECHE ist eine simple Pritschenkonstruktion, bei der man auf Holzbrettern sitzt.

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Die neue Straße bei Rôff mit Schulkindern beim Sportunterricht, im Hintergrund eine klassische CALECHE

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Telekommunikation – Stromversorgung

Ist die Landbevölkerung auch noch so arm, das Handy hält Einzug selbst in entlegenste Gegenden der Savanne. Ein echter Glücksfall, denn somit können die Savannenbewohner nicht nur mit Freunden und Familien in anderen Teilen des Landes kommunizieren, vor allem kann im Ernstfall schneller Hilfe geholt werden. Das normale Telefonnetz ist, wie auch die Stromversorgung, in der Savanne kaum bis gar nicht existent.

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„Wohlstand“ in Sicht!?

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Wohlstand würde für die Bewohner im Senegal bedeuten, wenn sie eine Hütte aus Lehmziegeln bewohnen könnten, anstelle einer Strohhütte, wenn sie eine Matratze zum Schlafen hätten, anstelle auf dem Boden schlafen zu müssen, wenn sie mehr als nur das eine durchlöcherte Kleidungsstück hätten, als jenes, dass sie gerade am Leib tragen, wenn sie eine Toilette benutzen dürften, anstelle im Savannensand ihre Notdurft zu verrichten, wenn sie Wasser aus einem unserer Brunnen in Dorfnähe holen könnten, anstatt mehr als eine halbe Stunde zur nächsten verfügbaren Wasserstelle gehen zu müssen.

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Wir reden hier über die einfachste Grundversorgung eines Menschen, die viele Senegalesen definitiv nicht bekommen.

Für die senegalesische Landbevölkerung gibt es keinen Wohlstand, schon gar nicht nach unserem europäischen Verständnis und das wird sich nach unserer Einschätzung auch in den nächsten Jahrzehnten nur wenig ändern.

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Es gibt bestimmt viele Faktoren, die diese Armut zu verantworten haben, angefangen mit den Folgen der Kolonialzeit bis hin zu falscher EU-Politik und nicht ankommender finanzieller Hilfen. Am Ende sind die Gründe egal, denn sie ändern nichts an der Not der Menschen in der Savanne. Ändern können nur wir etwas! Mit euch als Mitglieder und Spender kann zumindest einem Teil der Menschen geholfen werden. Wir sind nicht alleine dort um zu helfen. Wir sind viele kleine effektive Vereine aus Europa, die in unterschiedlichsten Bereichen den Senegalesen zur Seite stehen. Die Menschen der ärmsten Länder der Welt brauchen Menschen wie ihr es seid, die helfen wollen!

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