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Aktuelles September 2015

3. Oktober 2015 von Torsten

Liebe Senegal-Freunde,

was hat unser Verein mit der aktuellen Flüchtlingssituation zu tun?

Unser senegalesischer Mitarbeiter Jean-Paul Sarr hat uns in mehreren Gesprächen gesagt:

„Wir wollen unsere Heimat nicht verlassen. Unsere Familien leben hier, wir lieben unsere Kultur und unsere Traditionen. Jeder Brunnen, der hier gebaut wird, hilft, dass die Dorfbewohner in der Savanne ihre Existenz sichern können und die Dörfer nicht verlassen müssen“ Dass Senegalesen sich auf den Weg über das Meer nach Europa machen, ist meistens die letzte Hoffnung, die Familien in der Heimat durch irgendeine Arbeit in Europa versorgen zu können. Unabhängig davon, wie man die Situation der sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge bewertet, geht es um menschliche Schicksale, die keinen anderen Ausweg sehen, als das „Glück“ in Europa zu suchen. Kein Mensch sollte gezwungen sein, aus Mangel an Essen, Trinken, medizinischer Versorgung oder Bildung seine Heimat zu verlassen. Ihr, die Mitglieder und Spender, tragt im erheblichen Maße dazu bei, dass die Menschen im Senegal, denen unsere Hilfe zukommt, keinen Grund mehr haben, die gefährliche Flucht über das Mittelmeer anzutreten. Jeder einzelne unserer Brunnen sorgt dafür, dass Familien sich durch kleinbäuerliche Landwirtschaft selbst versorgen können und sofern es einen Überschuss gibt, damit auch Handel betreiben können. Damit sorgt ihr maßgeblich für die Existenzsicherung der Savannenbewohner. Hinzu kommt, dass wir an manchen Orten in der Savanne die Grundlage einer medizinischen Versorgung auf den Weg gebracht haben und ebenso die Bildungsangebote sichern. Ihr sorgt mit euren Spenden dafür, dass Senegalesen in ihrer geliebten Heimat bleiben können. Hierfür möchte ich euch schon an dieser Stelle, im Namen der Menschen im Senegal, meinen größtmöglichen Dank aussprechen.

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Unsere Mitarbeiter Demba Diouf und Jean-Paul Sarr an Feldern, die erst durch unsere Brunnen entstehen und bewirtschaftet werden konnten.

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Unsere aktuellen Projekte:

Projekt Bildung

Das Schulgebäude in Giarare-Diahrere

Die zuletzt noch benötigten Fenster und Türen wurden eingebaut. Somit ist das Schulgebäude fertig gestellt und der Unterricht kann nun bei jeder Witterung stattfinden. Das Problem eindringendenden Regens durch das Strohdach gibt es nicht mehr. Lehrer, Schüler und ihre Familien sind gleichermaßen dankbar für das Gebäude. Für das anstehende neue Schuljahr werden wir die Schüler mit notwendigen Heften, Stiften und Büchern ausstatten. Neben den diversen Schulgebäuden in Rôff, die wir mittlerweile gebaut haben sowie dem Schulgebäude in Keur Martin, ist dieses unser drittes vollendetes Schulbauprojekt.

Die Schule im Bau und nach Fertigstellung:

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Der unzureichende Zustand vor unserem Einsatz

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Das Strohdach wurde entfernt

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Das Gebäude nimmt Form an

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Vorher…

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und nachher – Die Schule ist fertig!

 

Die Schule in Rôff

Wie schon in den Vorjahren, werden wir sämtliche Schulklassen mit benötigten Schulmaterialien versorgen. Seit wir die Schule aktiv unterstützen, gibt es keinen Engpass an Büchern. In der Zeit vor unserer Hilfe, mussten sich teilweise zwei Schüler ein Buch teilen, was zu einer erschwerten Erledigung von Schulaufgaben führte. Dieses Projekt fortlaufend begleiten zu können, bleibt Dank eurer Spenden möglich.

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Schüler in Rôff mit den durch unseren Verein besorgten Schulwesten. Auf der linken Brustseite ziert unser Vereinsemblem die Weste.

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Projekt Wasser

Unser permanenter Bau von Brunnen, zur Sicherung der Lebensgrundlage vieler Menschen in der Savanne, nimmt immer größere Gestalt an. Wir sind stolz, Dank eurer fortwährenden Spendenbereitschaft, dieses Projekt immer weiter voran zu bringen. Durch die Großspenden von Birgit Claßen, Dietmar Fehring und dem Ehepaar Sigle, konnten gleich drei Brunnen noch vor der Regenzeit im Juni fertig gestellt werden. Mit dem Bau zwei weiterer Brunnen wird unmittelbar nach der Regenzeit begonnen. Diese Brunnen entstehen in den Dörfern NGohe Poffine und Aga Birame. Mit etwas Glück realisieren wir bis zum Jahresende drei weitere Brunnen fertig zu stellen. Es hat sich herum gesprochen, dass unser Verein sich auf den Bau von Brunnen spezialisiert hat. Daher gibt es viele Anfragen bedürftiger Dörfer in der Savanne an unseren Verein zum Bau eines Brunnens.

Unsere drei neuen Brunnen aus dem Frühjahr 2015

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Projekt Gesundheit

Die Krankenstation in Rôff

Unser bislang größtes Projekt, die Krankenstation in Rôff, ist ein voller Erfolg. Die Menschen aus Rôff und Umgebung nehmen die Hilfe der Krankenstation gerne in Anspruch. Neben der Versorgung von kleineren Verletzungen oder der Verabreichung von Medikamenten bei Magen-Darm-Problemen, Fieber und Schmerzen durch die Sanitäterin vor Ort, haben erfreulicherweise schon mehrere Säuglinge das Licht der senegalesischen Welt in der Krankenstation erblickt.

Nach Gesprächen vor Ort haben wir festgestellt, dass es noch kleinerer Verbesserungen bedarf.
Bislang waren nur die typisch senegalesischen Metallfenster eingebaut worden, die jedoch keinen guten Schutz vor Staub und Sand bieten. Daher rüsten wir nun Glasfenster nach, um diese Situation zu verbessern. Dann fehlte es noch an einigen Stühlen und Tischen, die wir mittlerweile besorgt haben. Weiterhin haben wir seit längerem das Thema Elektrik diskutiert. Wofür benötigen wir den Strom in der Krankenstation? 1. Licht – 2. Pumpen für die Wassertanks – 3. Kühlschrank für Medikamente – 4. Lademöglichkeit für Mobiltelefone der Dorfbewohner, um eventuell mit Ärzten zu kommunizieren oder Hilfe zu holen

Die zunächst angedachte Variante ein Dieselaggregat als Stromerzeuger dauerhaft zu nutzen, haben wir mittlerweile verworfen. Das ständige Auffüllen und das Bereitstellen von Diesel, ist nicht nur kostenmäßig, sondern auch logistisch kaum umzusetzen. Daher wollen wir in den nächsten Monaten eine Solaranlage installieren, die in Verbindung mit einem Akku die Krankenstation mit ausreichend Strom versorgt.

Die Kosten für die Solaranlage werden von Dr. Fella getragen, der mit seinem unglaublichen Engagement schon den Bau der Krankenstation finanziert hatte. Hierfür ein spezieller Dank für die grandiose anhaltende Unterstützung dieses Projekts.

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Zum Dank für die Errichtung der Krankenstation, haben die Bewohner von Rôff einen Schlüssel aus Holz mit den Farben des Senegals und Deutschlands gebastelt. In der Mitte Werner Dienst (77) aus Stade, der seit mehr als 30 Jahren im Senegal aktiv hilft und der für uns seit Beginn unserer Projektarbeit ein ständiger wichtiger Begleiter ist.

Kleiner Obama

Es gibt immer wieder Fälle, bei denen unsere Mitarbeiter Demba Diouf und Jean-Paul Sarr von hilfsbedürftigen Menschen angesprochen werden, die um medizinische Unterstützung bitten. So wurde beispielsweise der kleine Obama vor knapp drei Wochen in Rôff geboren und hatte gleich nach der Geburt eine schwere Darmentzündung. Die Eltern konnten die 30.000 CFA (umgerechnet 48€) für die Medizin des Säuglings nicht aufbringen. Jean-Paul hatte sofort mit uns Kontakt aufgenommen, um sich die Genehmigung zum Kauf der Medizin einzuholen. Selbstverständlich haben wir dem kleinen Obama geholfen. Er ist auf dem Weg der Besserung. Ein Foto folgt im nächsten Infobrief.

 

Moustapha

Ein Fall, der uns besonders anrührt, ist das Schicksal des behinderten 13 jährigen Moustapha Diagne aus Nianing. Aufmerksam auf Moustapha wurden wir durch Werner Dienst aus Stade. Da Moustapha seit Jahren nicht medizinisch untersucht wurde, haben wir mit seiner Mutter Sagar Diop und seinem Vater Tiogome Diagne vereinbart, ihn in das Krankenhaus nach MBour, welches von einem anderen deutschen Verein betreut wird, zur Untersuchung zu bringen. Wir wollten feststellen, was wir tun können, um die Lebenssituation zu verbessern, da Moustapha mit seinen verkrüppelten Extremitäten nichts außer liegen kann. Die Idee ihm einen Rollstuhl zu besorgen, damit er sitzen kann und vielleicht mobil wird, mussten wir leider aufgeben. Moustapha kann definitiv nur liegen. Die Behinderung hat er von Geburt an durch eine Schädigung seines Gehirns. Die Untersuchung im Krankenhaus MBour nach Bluttest und Röntgen ergab nichts wesentlich neues. Allerdings stellte man eben auch keine körperliche Verschlechterung fest. Da Moustapha auf einer dünnen Matte in der Hütte seiner Eltern liegt, haben wir Jean-Paul und Demba beauftragt zumindest eine Matratze zu besorgen, die das Liegen angenehmer macht. Weiterhin bekommt Moustapha Medikamente, die, sofern die Eltern sie nicht selbst bezahlen können, von unserem Verein bezahlt werden. Die Kosten der Untersuchung und auch die Matratze wurden spontan von Dr. Fella übernommen.

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Die Hauptarbeit unseres Vereins bleiben die Bauprojekte für die Allgemeinheit. Dennoch gibt es Einzelschicksale wie das von Moustapha, an denen wir nicht untätig vorbei gehen können und wollen.

 

Gedenken

In einer Zeit, wo Familien mit ihren Kindern auf die Flucht gehen und deren Leben riskieren, wo ein kleiner Junge tot am Strand liegt, sein Name ist Aylan Kurdi, der dem gesamten Flüchtlingsdrama, egal ob Kriegsflüchtling aus Syrien oder Wirtschaftsflüchtling aus dem Senegal, ein Gesicht gegeben hat, gerade in dieser Zeit bitte ich euch, unsere Projekte weiterhin so engagiert zu unterstützen wie ihr es bisher getan habt – damit Kinder nicht auf die Flucht gehen müssen, und die Welt keine weiteren Aylans verliert!

Torsten

 

Empfehlung

Wer einen Einblick in die Situation der Flüchtlinge aus Westafrika bekommen möchte, dem empfehle ich zum einen das Buch „Der Traum vom Leben: Eine afrikanische Odyssee“ von Klaus Brinkbäumer, welches ergreifend die 4 jährige Odyssee des Afrikaners John Ampans von Nigeria nach Europa beschreibt. Zum anderen empfehle ich den bei den Filmfestspielen in Cannes und München ausgezeichneten senegalesischen Film „Die Piroge“, der die tragische Flucht einer Gruppe Senegalesen über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln zeigt.